Ingwer – Knolle mit heilender Wirkung

Ingwer

Ingwer, der botanische Name lautet Zingiber officinale, bringt nicht nur eine scharfe und zugleich erfrischende Geschmacksnote in Getränke und Gerichte. Viele seiner gesundheitsfördernden und heilenden Eigenschaften sind seit Jahrtausenden bekannt. Die moderne Wissenschaft ist gerade erst dabei, einige der Rätsel um den Ingwer zu lösen und immer neue medizinische Einsatzgebiete zu entdecken.

Als Arznei oder Gewürz verwendet wird die Knolle des Ingwers, entweder frisch geschnitten oder gerieben, getrocknet oder aufbereitet als Extrakt in Kapseln. Bei der Ingwerknolle handelt es sich allerdings nicht um eine Wurzel, sondern um einen unterirdischen Hauptspross, ein „Rhizom“. Die hellbraune Schale umhüllt ein faseriges, hellgelbes Inneres, in dem sich die machtvollen Wirkstoffe verbergen. Je saftiger und frischer die Knolle, desto intensiver sind die enthaltenen Scharfstoffe, desto stärker aber auch die medizinisch wirksamen Bestandteile.

Ingwer hilft vortrefflich gegen eine ganze Reihe von Beschwerden. Er mildert Übelkeit und verhindert Erbrechen unterschiedlichster Ursachen, von Seekrankheit und Schwangerschaftsübelkeit bis hin zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie, wie eine Studie der Deutschen Krebshilfe e. V. 2013 bewies. Ingwer regt Durchblutung und Stoffwechsel an, hemmt die Blutgerinnung, wirkt antibakteriell und virustatisch. In Japan sagt man dem Ingwer nach, die Libido zu steigern. Während eine Spur Ingwer bei älteren oder geschwächten Menschen oder Tieren den Appetit anregt, kann er andererseits eine Diät wirkungsvoll unterstützen. Ein heißer Aufguss aus frischen Ingwerstückchen wärmt kräftig durch und vertreibt oft schon den Anflug einer Erkältung.

Ursprünglich stammt der Ingwer aus dem pazifischen Raum oder Indonesien, eroberte aber im Laufe der Zeit tropische und subtropische Länder samt deren Küchen und Hausapotheken. Bereits im Mittelalter gelangte der Ingwer als begehrtes und teures Gewürz nach Europa.

Anwendung und Wirkungsgebiete

Ingwerpulver

Die Ingwerknolle enthält eine ganze Reihe von Substanzen, die starke positive Wirkungen leisten, beispielsweise

Viele schwören auf Ingwer, wenn die Erkältungszeit näher rückt. Denn er enthält viel Glutathion, ein starkes Antioxidans, das das Immunsystem in Hochform bringt und die weißen Blutkörperchen aktiviert. Auch wer schon erkrankt ist, verspürt schnell Erleichterung: Heißer Ingwertee wärmt von innen, beseitigt häufig schon das erste unangenehme Kratzen im Hals und ermöglicht bei Schnupfen schnell ein freieres Durchatmen.

Auch Fitnessbewusste haben Ingwer für sich entdeckt: Wer sich im Training quält, muss häufig Muskelkater in Kauf nehmen. Die Einnahme von Ingwer als Extrakt, Saft oder Tee über eine längere Zeit hinweg kann diese schmerzhafte Erscheinung erfolgreich bannen. Weil Ingwer auch den Magen beruhigt, kann man ihn getrost sogar einige Stunden vor einem Wettkampf ins Frühstück integrieren, beispielsweise in Haferbrei gemischt.

Ingwer ist ein probates und vielseitiges Schmerzmittel: Die enthaltenen Gingerole und Shoagole hemmen nämlich das schmerzauslösende Enzym Cyclooxygenase, ebenso wie das der Wirkstoff Acetylsalicylsäure tut, bekannt als Hauptbestandteil des Schmerzmittels Aspirin. Ingwer kann tatsächlich genau wie Aspirin Schmerzen und Entzündungen lindern und auch die Neigung zur Blutgerinnung senken. Das könnte womöglich sogar leichte Migräneattacken im Vorfeld dämpfen, die häufig auf Durchblutungsstörungen im Kopfbereich zurückzuführen sind.

Bei Mensch oder Tier wird Ingwer auch erfolgreich bei Arthrose eingesetzt. Arthrose ist gekennzeichnet durch Entzündungsprozesse in den Gelenken. Dabei wird ein Enzym freigesetzt, das den ohnehin geschädigten Knorpel weiter abbaut. Ingwer wirkt hier doppelt: Er bremst die Entzündungsprozesse, wirkt aber auch gegen den Schmerz als Symptom. Wer weniger Schmerzen leidet, verspürt auch mehr Lust, sich zu bewegen – in der Folge werden Knorpel und Gelenke besser mit Nährstoffen und Gelenkflüssigkeit versorgt und bleiben elastischer. Die arthrose-typische Steifheit vor allem am Morgen schwindet deutlich. Ähnliches gilt für den Einsatz von Ingwer bei Rheuma.

Im Regelfall wirkt Ingwer besänftigend auf den Magen, verhindert Magenkrämpfe, Erbrechen und Übelkeit, wie sie bei Reise- oder Seekrankheit oder in einer frühen Schwangerschaft auftreten. Bisher sind keine nachteiligen Wirkungen auf den Fötus oder den Schwangerschaftsverlauf bekannt. Die Wirkstoffe Shoagol und Galanolacton beeinflussen den Gehirnbereich, der für die Übelkeit und den Brechreiz zuständig ist. Eine Studie der Deutschen Krebshilfe e. V. beweist, dass sogar die oft heftigen Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie durch die Einnahme von Ingwer unter Kontrolle gebracht werden können. Die bei der Chemotherapie verabreichten Medikamente greifen nicht nur Tumorzellen, sondern auch gesunde Darmzellen an. Werden diese geschädigt, setzen sie Serotonin frei, das wiederum über bestimmte Rezeptoren an Nervenzellen das Brechzentrum im Gehirn anspricht. Die Folge sind ständige Übelkeit, Appetitlosigkeit und die Unfähigkeit, Nahrung bei sich zu behalten. Die Wirkstoffe des Ingwers blockieren diese Serotonin-Rezeptoren und verringern dadurch die Beschwerden oft um über 40%. Die Patienten entwickeln wieder Appetit und können Kräfte sammeln, um die Chemotherapie erfolgreich durchzustehen.

Kritiker führen zwar an, dass Ingwer womöglich die Wirkung einiger Chemotherapie-Medikamente herabsetzt – doch für jede erfolgreiche Therapie müssen Konsequenzen und Nebenwirkungen von Fall zu Fall gegeneinander aufgerechnet werden.

Inzwischen sagt man dem Ingwer sogar nach, dass er Alzheimer vorbeugen kann. Der Grund sind die Polyphenole, die sich auch in Grüntee, Kurkuma oder Rotwein finden. Sie sind entzündungshemmend und verhindern vor allem die Bildung der Beta-Amyloid-Plaque, die die Verbindung von Nervenzellen zum Gehirn unterbrechen und damit Alzheimer auslösen können. Die dem Ingwer verwandte Gelbwurz, Kurkuma (Curcuma longa), einigen auch als Gelber Ingwer oder Safranwurz bekannt, soll noch potenter sein und die gefürchteten Plaques sogar bekämpfen.

Eine Studie der Universität Sydney beweist, dass die im Ingwer enthaltenen Scharfstoffe, die Gingerole, die Glukoseaufnahme in den Muskelzellen verbessern können: Sportler oder auch Diabetes-Patienten profitieren davon, dass ihr Blutzuckerspiegel sinkt, weil die Glukose effizienter vom Körper verarbeitet wird.

Möglicherweise kann Ingwer sogar sehr viel mehr, als bisher dokumentiert wurde. Nebenwirkungen wie Sodbrennen, Blähungen oder Übelkeit wurden durchgehend bei der Einnahme von aufbereiteten Ingwer-Extrakten beobachtet, nicht bei Verwendung der frischen Knolle: Der Verdacht auf Zusatzstoffe oder Verunreinigungen liegt hier nahe. Die WHO warnt derzeit noch vor zu reichlicher Ingwer-Anwendung im Falle einer Schwangerschaft oder beim Vorliegen von Gallensteinen.

Für die entzündungshemmende, antibakterielle und schmerzbefreiende Wirkung des Ingwer sind vermutlich überwiegend die Gingerole und Shoagole verantwortlich. Ihr Anteil beträgt in der Regel etwa 3%.

Shoagole und Galanolacton, eine Substanz, die erstmals bei Ingwer gefunden und extrahiert wurde, blockieren vermutlich auch die Auslöser für Brechreiz.

Zu den Scharfstoffen im Ingwer zählen Zingiberen und Zingiberol: Allzu viel ist noch nicht über die spezifische Wirkung dieser Substanzen bekannt.

Ingwerpulver

Borneol ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der auch in anderen Pflanzen mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen vorkommt.

Cineol gehört chemisch zu den Limonenoxiden, kommt beispielsweise auch in Eukalyptus oder Minze vor und wirkt nachweislich lindernd bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen. Beiden, Borneol wie Cineol, werden teilweise die verdauungs- und magenfreundlichen, kreislaufanregenden Eigenschaften von Ingwer zugeschrieben.

Frischer Ingwer enthält reichlich Vitamin C, nämlich 5000 Mikrogramm (µg) auf 100 Gramm: Das ist gut für die Immunabwehr, wichtig für die Proteinsynthese und die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung im Dünndarm.

Das Spurenelement Eisen, in frischem Ingwer sind 500 Mikrogramm (µg) auf 100 Gramm enthalten, benötigt der Körper unter anderem für Prozesse des Sauerstofftransportes und die Sauerstoffverwertung im Körper.

Weiterhin liefert Ingwer auch Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor.

Obwohl Ingwer schon lange bekannt ist und vielseitig verwendet wird, scheint er noch eine ganze Reihe positiver Überraschungen bereit zu halten, denn die Wirkungsweise einiger Inhaltsstoffe wurde noch nie analysiert, lediglich beobachtet.

Darreichung und Einnahme von Ingwer

In einem heißen Getränk, als reiner Aufguss oder als Zutat in kräftigem indischem „Chai“, Gewürztee mit Milch, weckt Ingwer die Lebensgeister, wärmt und befreit oft sogar von ersten Erkältungssymptomen. Ingwerbier oder Ingwer-Limonade sind wegen ihrer erfrischenden Geschmacksnote vor allem bei heißem Wetter sehr beliebt.

Die Einsatzmöglichkeiten in der Küche sind vielfältig: Frisch, kleingeschnitten oder zerrieben oder eingelegt passt Ingwer als Gewürz zu Fleisch- und Fischgerichten wie zu Vegetarischem. Getrockneter Ingwer ist ein wichtiger Bestandteil von Curry-Gewürzmischungen. Auch in einigen Lebkuchen- und Süßspeisenrezepten kommt Ingwer vor. Kandiert oder eingelegt ist Ingwer eine Leckerei. Seine exotische Geschmacksnote passt zu asiatischen Gerichten ebenso gut wie zu vielen europäischen Rezepten: Mittelalterlicher Fleisch-Eintopf beispielsweise wird geschmacklich mit Ingwer und Zimt perfekt abgerundet.

Als Heilmittel, als Vorbeugung gegen Muskelkater oder zur Unterstützung einer Diät eignen sich Ingwerkapseln, Ingwerpulver oder Stücke und Aufgüsse von einer frischen Knolle.

Damit sich bestimmte Effekte wie gewünscht einstellen, ist eine Einnahme über längere Zeit empfehlenswert. Dabei sind täglich 2 bis 4 Gramm getrockneter Ingwer oder 30 bis zu 500 Milligramm Extrakt üblich. Kapseln sind entsprechend zu dosieren.

Frisch gekaufte Ingwerknollen sollten nicht allzu lange lagern: Sie verlieren dann an Frische und Aroma.

Wer Ingwer nicht nur als Gewürz, sondern als Heilmittel nutzt, sollte Produkte verwenden, deren Herkunft bekannt ist. Alfatoxine, Schimmelpilzgifte, oder größere Mengen des Konservierungsstoffes Benzoesäure etwa können zu starken Unverträglichkeitsreaktionen führen. Daher macht es Sinn, Ingwerprodukte aus biologischem Anbau und entsprechender Verarbeitung zu wählen.

Einflussreiche Verwandte: Gelbwurz oder Kurkuma

Gelbwurz, auch Gelber Safran oder Kurkuma genannt, ist mit dem Ingwer nah verwandt und enthält ähnlich machtvolle Wirkstoffe. Kurkuma ist einer der Hauptbestandteile des typischen indischen Curry-Gewürzes. Der Inhaltsstoff Curcumin soll, einer US-amerikanischen Studie zufolge, sogar gegen Lippenherpes helfen, da er die Virusvermehrung direkt in den infizierten Zellen bremst. Die berüchtigten Alzheimer-Plaques, die die Nervenrezeptoren schädigen, soll Curcumin nicht nur verhindern, sondern sogar auflösen können. Zumindest gelang dies im Tierversuch. In der traditionellen asiatischen Medizin wird Curcumin seit 3000 Jahren gegen Entzündungen, Hauterkrankungen oder auch Rheuma benutzt. Weil es wie Ingwer die Gallenproduktion fördert, erleichtert es auch die Verdauung. Ob und wie sich Ingwer und Kurkuma in ihrer Heilwirkung tatsächlich unterscheiden, ist noch zu untersuchen.

Die Vorzüge auf einen Blick

Ingwerpulver

Ingwer schmeckt nicht nur gut und setzt ein kulinarisches Glanzlicht auf viele Speisen und Getränke, er leistet auch als Heilmittel viele gute Dienste, beispielsweise

Ingwer reguliert den Blutdruck, hemmt die Blutgerinnung und eignet sich daher möglicherweise als natürliche Vorbeugung gegen Migräneattacken oder Thrombosen, wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen verschiedenster Ursache und beugt möglicherweise Alzheimer wirksam vor.

Man darf auf die pharmakologischen Entdeckungen der nächsten Jahre gespannt sein: Ingwer hält mit Sicherheit noch einige Überraschungen bereit.


Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis zu medizinischen Themen: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens! Wir und unsere Autoren übernehmen keine Haftung für Unannehmlichkeiten oder Schäden, die sich aus der Anwendung der hier dargestellten Information ergeben.
3.6 Sterne bei 42 Votes